Tom Schulz grew up in what was once called East Berlin. He was born in Oberlausitz, in 1970. Since 2010 he has lived in both Augsburg (Bavaria) and Berlin. He edits the German literary magazine ”Lauter Niemand.”
die Schwestern
wir, die beiden Traumgebundenen
von der Süße des Nabels niemals
Getrennten, umschwirren das Lied
von der Erde, von Ferne
die Schläge der Schmetterlinge
Flügel der Haut, zum Kopf hin
verjüngte, grazile Wespinnen
in welcher Gestalt schwärmen wir
aus, legen den Arm um den Strand
auf leicht marodierenden Brüstungen
über dem Meer, das die weichen
Teilchen schneller bewegt, die weißen
schäumenden Knie ragen hervor
die Spitzen hinter den Stunden
Gläsern, auch sie werden fragen
in welchem der Zimmer sollen
die Lidschattengewächse blühn?
zwischen dem Grün und dem
Komplementär, in den seltenen
Gegenden, in denen sich die Seelen
begegneten, in Taschenspiegeln
das eine Gesicht: wir, die zwei
im Traum gleichen, bei den Berührungen
Taumelnden, flüstern uns zu
in den Mädchennamen
die Brüder
sie wandern mit der Axt zum See
der zwischendurch gefroren schien
sie halten die Axt ins Wasser
melde Gehorsam, es schneit von oben
es friert, das Eis trägt ein elektrisches
Panzerfahrzeug mit Leopardenfell, die Axt
wandert über das Wasser, wenn es taut
stehen die Brüder unter den Duschen
von Germania Schöneiche, aus den Brausen
fließt Wasser, wie auch anders
Wärme entsteht durch das Reiben
am Eisblock, gelobt sei
was hart macht, sagte Großvaters Sohn
als sich die Belagerung um Großvater
schloss, fuhr der Rettungswagen vor
sein Sohn winkte, die Söhne waren
noch klein, wäre ich der Neffe ihres Vaters
schmierte ich den kalt geschleuderten Honig
in die Turbine einer V2, alle Wege
führen in einen tiefer gelegten Himmel
die Brüder tragen den Auspuff
an der Axt auf den Kindergeburtstag
die Geliebte
sie rollte die Welle an den Strand
an jenem Morgen jene blaue See
kannte Engel ohne Lizenz
zum Engelsein, wenn sie aufs Meer
hinaus schwamm, waren die Berge
niemals ferne Rücken, jedesmal
setzte sie einen Fuß weich auf
die Insel, der Boden gab nach
die Vulkanerde errötete unter
ihren kleinen Zehen, ich sah sie
gern durch Kirchentüren laufen
andere hielten sie für Beutekunst
es stimmt, sie war wie ein fremdländischer
Opal, mit jedem Tag stieg ihr Preis
Plagiate gab es von ihr keine
ich habe niemals mehr danach
& auch davor eine Vollendung gesehen
die in Sprache ausgedrückt
nicht vorkommen kann -
wenn sie sich singen ließe, dann
in einem Chorwerk von Pergolesi
an der wahren Schönheit operierte
sie, sie hatte einen Fehler, schielte
leicht um Litfaßsäulen, Bars
wenn sie nicht redete, legte ich
den Kopf ins Gras & schwieg die Zeit
zu Ende
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